Beinwell

beinwell

Viele Menschen leiden an akuten Rückenschmerzen ohne dass deren genaue Ursache klar ist. Wie eine Studie zeigen konnte ist Beinwell durchaus eine Alternative zu konventionellen Schmerzmitteln.

Eine neue Studie zeigt, dass es eine schmerzlindernde Alternative zu Schmerzmitteln gibt in Form einer Salbe aus Beinwellwurzel und Nicotinsäuremethylester.
Insgesamt umfasste die Studie 362 Patienten mit Schmerzen unklarer Ursache im oberen und unteren Rücken. Die erste Gruppe (156 Patienten) massierte alle 8 Stunden ca. 4g der Kombinationssalbe aus 35% Beinwellwurzel-Extrakt und 1,2% Nicotinsäuremethylester auf die schmerzenden Stellen. Die zweite Gruppe (156 Patienten) nutzte eine Salbe ohne Beinwellwurzel-Extrakt, jedoch mit 1,2% Nicotinsäuremethylester. Eine weitere Kontrollgruppe (50 Patienten) erhielt eine Placebo-Salbe.
Nach 5 Tagen war der Bewegungsschmerz in der Kombinationsgruppe um 27% geringer als in der Nicotinsäuremethylester-Gruppe. Im Vergleich zur Placebogruppe war er sogar um 50% reduziert. Auch der Schmerz im Ruhezustand war bei der Kombinationsgruppe deutlich geringer als in der Nicotinsäuremethylester-Gruppe und in der Placebo-Gruppe. Alle Unterschiede waren signifikant.

Grundsätzlich wird Beinwell als Heilpflanze vor allem äußerlich angewendet. Aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide, die krebserregend und leberschädigend wirken können, sollte Beinwell nicht in größeren Mengen verzehrt oder längerfristig innerlich angewendet werden. Gelegentlich und in kleineren Mengen ist aber nichts dagegen einzuwenden, sofern die Lebern nicht vorgeschädigt ist. Pyrrolizidinalkaloide kommen in verschiedenen bekannten Heilpflanzen vor. Zum Beispiel: Borretsch, Huflattich, Pestwurz, Sonnenhut und Kreuzkraut. Sie wirken nicht akut toxisch, sondern werden in der Leber zu den eigentlich toxischen Verbindungen abgebaut.

Beinwell als Wildgemüse

Traditionell ist Beinwell durchaus ein beliebtes Wildgemüse gewesen. Blüten kann man in einen Wildkräutersalat geben und auch die jungen Blätter waren Teil von getrockneten Wildkräutermischungen. Auch gekocht, als Blattgemüse, als Umhüllung für Rouladen oder in Teig ausgebacken kann man sie verwenden. Die Wurzeln schmecken mild, ähnlich wie Schwarzwurzeln und können auch so zubereitet werden. Beinwell enthält unter anderem B-Vitamine und vor allem das im Pflanzenreich seltene Vitamin B 12. Frische Beinwellblätter enthalten eine große Menge biologische sehr hochwertige Proteine, die in ihrem Nährwert durchaus mit tierischem Eiweiß vergleichbar sind.

Die Heilwirkung von Beinwell

Bereits seit der Antike wird Beinwell bei Entzündungen, zur Wundheilung und bei Knochenbrüchen eingesetzt. Man verwendet Blätter und Wurzeln, wobei der Wirkstoffgehalt in den Wurzeln am höchsten ist. Beinwell ist auch äußerst hilfreich bei Gelenkbeschwerden, Gicht, Sehnenscheideentzündung, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, Venenentzündungen, Drüsenschwellungen und Brustdrüsenentzündung. Er wirkt hier entzündungshemmend und schmerzstillend.

Vor allem der Wirkstoff Allantoin macht den Beinwell zu einem sehr wirksamen Heilmittel bei schlecht heilenden Wunden. Er fördert die Blutgerinnung, die Bildung von neuem Gewebe und wirkt Entzündungen entgegen.

Anwendung

Beinwell kann als Auflage, Salbe oder auch als Badezusatz verwendet werden.

Beinwell-Breiauflage

Die frische Wurzel wird fein zu einem Brei verarbeitet (durch den Mixer drehen). Diesem Wurzelbrei werden einige Tropfen Öl beigefügt und gut abgemischt.

Beinwell-Badezusatz

Für Vollbad – ½ kg Beinwell-Blätter (frisch oder getrocknet) wird über Nacht in ca. 5 l Wasser kalt angesetzt. Am nächsten Tag wird der Ansatz bis zum Sieden erhitzt und die Flüssigkeit dem Badewasser beigegeben. Für ein Sitzbad verwendet man die halbe Menge.

Beinwell-Salbe

Ca. 200 – 250 g Wurzeln werden gut gereinigt und fein zerkleinert und in ca. 250 g reinem Schweinedarmfett kurz ausgebraten. Über Nacht stehen lassen, am nächstenTag anwärmen, durch ein Tuch seihen und auspressen. Die Salbe in reine Gefässe (Glas, Porzellan – kein Metallgefäss) abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren! Diese Salbe hält ca. 3 Monate.

Mag man kein Schweineschmalz, kann man auch Bienenwachs verwenden.

 

Quellen:

Freiburger Heilpflanzenschule, Newsletter August: Pabst H et al. Combination of comfrey root extract plus methyl nicotinate in patients with conditions of acute upper or low back pain: a multicentre randomised controlled trial. Phytother Res. 2013 Jun; 27(6):811-7. doi: 10.1002/ptr.4790

Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen, AT-Verlag, 2013