Das Coronavirus und der Holunder

Aufgrund der Grippesaison und des sich ausbreitenden Coronavirus, denkt der sicher der Eine oder Andere daran das Immunsystem mit Holunder zu stärken. Es gibt aber gute Gründe bei einer bestehenden Grippe mit schwerwiegenden Symptomen und Lungenbeteiligung oder einer akuten Coronavirusinfektion mit Holunder vorsichtig zu sein.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich liebe den Holunder und ich habe meine Abschlußarbeit in der Phytotherapieausbildung über Holunder geschrieben, aber gerade bei Lungenentzündungen und den mit dem Coronavirus und zum Teil auch Influenzavirus zusammenhängenden Prozessen, die sich dabei im Immunsystem abspielen, kann Holunder die Situation sogar verschlimmern.

Bei einer Studie bei Pubmed 1 aus dem Jahr 2001 wurde ein Extrakt aus Holunderbeeren, Sambucol, untersucht. Es hat sich in vitro gegen 10 Stämme des Influenzavirus als wirksam erwiesen und reduzierte Grippesymptome in vivo auf 3-4 Tage. Es wurden dabei höhere Antikörperspiegel gegen das Grippevirus im Blut gefunden

Allerdings war auch die Produktion von entzündlichen Zytokinen (IL-1 beta, TNF-alpha, IL-6, IL-8) signifikant erhöht. Am stärksten betrifft es TNF-alpha. Zusätzlich zu seinen antiviralen Eigenschaften aktiviert Holunderbeerextrakt also das gesunde Immunsystem, indem es die Produktion von entzündlichen Zytokinen erhöht.

Was passiert aber nun, wenn sich aus einer Grippe eine Lungenentzündung entwickelt? Beim Coronavirus ist außerdem immer vor allem die Lunge betroffen.

SARS Viren docken am ACE-2 Rezeptor an der Oberfläche von Lungen-, Lymph- und Milzepithelzellen an. Dadurch erhöht sich die Durchlässigkeit der Gefäße und die Ödembildung (Wasseransammlung) in den Lungen. Durch die massive Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen, z.B. Zytokinen, werden weitere Immunzellen angelockt. Es sammeln sich neutrophile Granulozyten an, die zellschädigend wirken, Lungengewebe wird zerstört und die Lungenfunktion verschlechtert sich.

Unter anderem spielen dabei genau die Zytokine eine Rolle, (IL-1beta, TNF-alpha, IL-6 und IL-8) die auch durch Holunder gefördert werden.

Schwere Verläufe sowohl bei der Influenza, als auch bei Corona werden durch sogenannte Zytokinstürme ausgelöst. Das heißt die Entzündungsreaktion gerät außer Kontrolle, was bis zum völligen Versagen von Lunge oder anderen Organen und dem Tod führen kann.

Hier brauchen wir also Mittel, die die Entzündung eindämmen und die Zytokinproduktion dämpfen, nicht sie noch weiter anheizen. Aus diesem Grund ist Holunder hier wahrscheinlich, trotz seiner antiviralen Eigenschaften, während einer akuten Lungenentzündung oder Coronavirusinfektion kontraproduktiv. Zur Vorbeugung kann Holunder oder Holunderbeerextrakt, aufgrund seiner antiviralen und immunstärkenden Eigenschaften, aber sicher eingesetzt werden

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11399518

https://naturallysimple.org/living/2020/02/14/why-elderberry-might-not-be-the-best-adjunct/?fbclid=IwAR0P7UtNvOTv-GmLPL609mHk5o_EY0GTfxO9_GBzoS4rw9VRbqv00bosUto