Irisches Tagebuch – Teil 4 – Kealkill Steinkreis und der Eibenwald im Killarney National Park

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Kealkill Steinkreis

Der Steinkreis von Kealkill liegt eindrucksvoll auf einem Bergrücken über der kleinen Ortschaft Kealkill. Wie so oft in Irland mitten auf einer Weide. Er ist einer der wenigen, bei denen Ausgrabungen durchgeführt worden sind. Ein Hinweisschild erzählt uns folgendes darüber:

„Der Name Kealkil leitet sich vom irischen „An Chaolchoill“ ab, das „enger Wald“ bedeutet. Offensichtlich bezieht sich der Name also rein auf den Ort, der unten im Tal liegt. Der kleine Steinkreis ist mit seinen 5 Steinen typisch für die Steinkreise in dieser Region. Zwei nahebeistehende größere Steine stehen ebenfalls mit dem Steinkreis in Beziehung. Im Südosten findet sich außerdem ein Cairn oder Hügel aus kleineren Steinen. Steinkreise wurden wahrscheinlich während der späten Bronzezeit zwischen 1400-800 vor Christus errichtet. Wir wissen nichts über ihre Funktion, aber sie werden mit religiösen Ritualen, die die Beobachtung von Sonne und Mond einschlossen in Verbindung gebracht.

Ausgrabungen im Steinkreis im Jahr 1938 brachten keine Artefakte zum Vorschein. Es wurden zur zwei flache, im rechten Winkel zueinander verlaufende Gräben gefunden, in denen möglicherweise Holzbalken eingelassen waren, die einen aufrecht stehenden Pfahl gestützt haben könnten. Es ist aber unklar wozu diese Konstruktion gedient haben könnte. Der Hügel aus Steinen bedeckte einen Ring von 18 kreisförmig angeordneten Steinen.“

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Der Ausblick ist gigantisch – fast 360° Rundumblick. Man sieht bis zur Bucht von Bantry auf der einen und auf die Bergzüge des Shehy Mountains von West Cork auf der anderen Seite. Ein gleichmäßig runder, einzeln stehender Berg, den wir später als „Douce Mountain“ identifizieren können, sticht besonders hervor.

Leider kann ich im Steinkreis selbst nicht viel spüren, er wirkt wir abgeschaltet. Aber auch des Panoramas wegen, hat es sich durchaus trotzdem gelohnt herzukommen.

Das Panorama bringt mich letztendlich auch dazu den Kompass hervorzuholen, denn es gibt einige markante Punkte am Horizont. Wenn man zwischen den beiden großen Steinen steht, schaut man direkt auf einen Hügel, der den Sonnenuntergang zur Sommersonnwende markiert und der singulär stehende Kegel des Douce Mountain befindet sich von der Mitte des Steinkreises aus gemessen in Richtung des Sonnenaufgangs zu Beltaine und Lughnasad.

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Mittwoch, 27.5.15

Der Eibenwald im Killarney National Park

Heute werden wir wieder Zuwachs bekommen: weitere Familienmitglieder und eine Seminarteilnehmerin werden am Flughafen Kerry ankommen und müssen dort am frühen Nachmittag abgeholt werden. Am Abend werden mein Mann und Rupert eine weitere Teilnehmerin in Cork abholen. Also steht ziemlich viel Fahrerei auf dem Programm und wenig Zeit für Unternehmungen…

So bietet es sich an einen Abstecher zum Killarney Nationalpark zu machen. Es ist der älteste Nationalpark Irlands. Von Killarney ist es dann nur noch eine gute halbe Stunde bis zum Flughafen Kerry.

Der über 100 km² große Nationalpark grenzt an die Stadt Killarney und umfasst die drei Seen Lough Leane, Muckross Lake und Upper Lake, die insgesamt eine Fläche von 22 km² des Parks ausmachen. Außerdem findet man hier einen der ältesten der noch verbliebenen Eichenwälder Irlands.

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Auf der Halbinsel die den Lough Leane und den Muckross Lake quasi voneinander trennt, soll es einen alten Eibenwald geben. Das interessiert mich und wird wohl gerade so den Zeitrahmen ausfüllen, den wir heute zur Verfügung haben. An einem der Eingänge zum Park mieten wir uns eine Kutsche und Franca kann den Kutscher nach einigem Zureden davon überzeugen, von seinem üblichen Touristenprogramm abzuweichen und uns zum Eibenwald zu bringen.

Ohne Kutsche wäre das Ganze wohl ins Wasser gefallen, denn heute regnet es „cats and dogs“. Das heißt kräftiger Dauerregen. Der Atmosphäre im Eibenwald tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Es lässt diese uralten magischen Bäume noch mystischer erscheinen als sie es sowieso schon sind. Leider haben wir nur eine gute halbe Stunde Zeit den Wald zu erkunden, bevor uns der Kutscher wieder am Treffpunkt erwartet. Trotzdem eindrücklich und wieder mal ein Ort, an den ich mit mehr Zeit zurückkehren werde.

Die anderen geplanten Wanderungen im Nationalpark werden wir an diesem Tag wohl aufgeben müssen – es ist einfach zu nass und vor allem zu kalt. Auch der berühmte Lady´s View über die Seen bis zum Meer versinkt im grauen Dunst und kann so nicht ganz überzeugen.

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Den restlichen Tag verbringen wir dann in Kenmare, einem hübschen kleinen Ort mit knallbunt gestrichenen Häusern auf der Strecke heimwärts nach Glengariff. Im Tearoom und im Woolshop lässt es sich gut sein. Ich mache Beute und der Tag ist gerettet: eine schöne Jacke von den Aran-Inseln.

Das Beste, was man an einem solch verregneten Tag wohl machen kann…

Inzwischen habe ich allerdings erfahren, dass die Wolle der allgegenwärtigen heimischen Schafe zu hart und zu kratzig ist und hauptsächlich zu Dämmstoff und Teppichen verarbeitet wird. Die Wolle für die Wollwaren aus den zahlreichen Woolshops soll wohl aus Neuseeland stammen. So bekommt meine Irland-Romantik doch gleich mal leichte Risse…

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