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PDC 2.0 mit Geoff Lawton

Das Jahr 2022 neigt sich dem Ende zu und ich bin im März 57 Jahre alt geworden. Im Sommer habe ich einen alten Traum wahr gemacht und mich für den Online Permakulturdesignkurs mit Geoff Lawton eingeschrieben. Die Entscheidung fiel innnerhalb weniger Tage.

Eigentlich hatte ich diesen Traum schon fast vergessen und begraben, aber wie das Leben so spielt, stolperte ich bei meinen Recherchen im Internet zum Thema Garten über ein paar schöne Videos von „The Weedy Garden“ und dort trat ein sympathischer Typ namens Geoff Lawton in Erscheinung. Dabei bekam man so am Rande mit, dass Geoff ein echtes Schwergewicht der weltweiten Permakulturszene ist, der jahrelang mit dem „Erfinder“ der Permakultur Bill Mollison zusammengearbeitet hat, und „Weedy“ gerade dort einen Kurs macht. So landete ich dann also auf den Seiten von Discover Permaculture in Australien und klickte mich durch so einige frei verfügbare Videos. Der sympathische Typ wurde mir immer sympathischer und schien außerdem echt Ahnung von der Materie zu haben.

Als ich dann noch entdeckte, dass ein neuer Online Permakulturdesignkus in den nächsten Tagen (Ende Juli) starten würde, war es – Ihr könnt es Euch schon denken, um mich geschehen. Zwei Nächte lag ich wach – ganz billig ist der Spaß nicht. Dann sagte mein Mann: Wenn es dein Ding ist, mach es! Das mit dem Geld bekommen wir irgendwie hin. Also machte ich es und stehe nun gerade vor meiner Abschlußarbeit, die ich bis Ende März 2023 einreichen muss.

Habe ich es bereut?

 Am Ende nein, keinesfalls. Aber…

…ja, zwischendurch schon, denn es ist vieeel mehr Arbeit und Zeitaufwand, als einem angekündigt wird: Etwa das Doppelte bis Dreifache – und dann hat man immer noch nicht alles gemacht, was man machen könnte, sollte und vor allem wollte.

Auch die Abschlußarbeit ist wesentlich aufwändiger, als angegeben: Ein Wochenende mit viel Kaffee? Im Ernst jetzt? – Die meisten sitzen mehrere Wochen daran.

Es war außerdem thematisch nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Das allerdings meine Schuld, ich hätte mir das Permaculture Manual von Bill Mollison, nach dem der Kurs, genau wie alle Permakulturdesignkurse auf der Welt, aufgebaut ist, vorher anschauen können – dann hätte ich eher gewußt, was genau auf mich zukommt. Denn das, was man landläufig von der Permakultur an Gartentechniken kennt: Mulchen, Hochbeete, Kräuterspiralen, Pflanzengemeinschaften, Waldgarten, macht einfach nur einen sehr kleinen Teil des Ganzen aus und ist definitiv nicht der Hauptfokus.

Um was geht es eigentlich?

Der Fokus befindet sich tatsächlich vor allem auf dem Design von grundlegenden Strukturen wie Wasser, Zugang, Gebäuden, den Zonen- und Sektorencharakteristiken. Wassermanagement und Regeneration von Böden und Wald in verschiedenen Klimazonen nimmt einen sehr großen Raum ein.

Ist der Kurs effektiv?

In vielen Teilen finde ich das Curriculum tatsächlich ineffektiv. Einige Dinge nehmen viel zu viel Raum ein, im Verhältnis zum Nutzen.

Vor allem die Regeneration und er Aufbau degenerierter Böden in heißen, trockenen Gebieten und den Tropen wird ausgesprochen detailliert und ausführlich dargelegt. Eben die Klimazonen und Bedingungen, die dort herrschen, wo Mollison lebte.

Global gesehen durchaus relevant. Und für Menschen, die in diesen Klimazonen leben und arbeiten sicher interessant. Ich verstehe auch durchaus, dass die grundlegenden Charakteristiken verschiedener Klimazonen und der Umgang damit wichtig ist für ein umfassendes Verständnis. Aber als Mitteleuropäer im kühl-feuchten Klima, brauche ich das definitiv nicht im Detail und dieser Ausführlichkeit. Brauche nicht zu wissen welche Dämme ich ganz genau wo und wie in der Wüste für jede einzelne Landschaftsformation baue oder wie ich jede Kleinigkeit in den Tropen handhabe.

Die meisten von uns werden wohl hauptsächlich lokal arbeiten und die Wenigsten international und in verschiedenen Klimazonen unterwegs sein.

Während  man sich also durch Wüsten und Tropen in unendliche Längen quält, und sich mit der Vorfreude auf die eigene Klimazone bei der Stange hält, wird man am Ende als Mitteleuropäer bezüglich des kühlen und feuchten Klimas ziemlich enttäuscht zurückbleiben. Das kommt dann einfach zu kurz.

Überlick und Grundlagen ja – überbordende Details zu Situationen, die nicht unbedingt global gesehen so relevant sind, sollte man, meiner Meinung nach, in Aufbaumodule auslagern, die dann der/diejenige absolvieren kann, der/die sie wirklich braucht.

Andere wichtige Themen für die Praxis vor Ort werden dafür nur am Rande angeschnitten und dürften mehr Raum einnehmen. Die muss man sich aber selbst erarbeiten.

Dass man ohne Kenntnisse, bzw. Erfahrungen im Gartenbau mit dem PDC nicht besonders weit kommt, wusste ich schon. Das hat sich auch bestätigt. Pflanzen und Gartenbauwissen wird dann am Ende für die Abschlußarbiet quasi vorausgesetzt, kommt aber praktisch im Kurs nicht vor. Hier wäre wirklich Verbesserungsbedarf zum Thema Aufbau eines Waldgartens und Pflanzengemeinschaften ganz konkret. Auch die Theorie zum so wichtigen Thema Boden, Bodenleben und Bodenaufbau kommt mir zu kurz. Zu Zeiten Mollisons gab es dazu möglicherweise noch nicht so viel, das hat sich aber inzwischen geändert und die neuen Erkenntnisse sollten hier definitiv einfließen.

Wie das alles in den 72-Stunden Kursen in der Real World gehandhabt wird, wie sehr dort ins Detail gegangen wird, kann ich natürlich nicht sagen.

Was kommt am Ende dabei heraus?

Es wird einem bei diesem Online PDC suggeriert, dass man mit dem Kurs am Ende Permakulturdesigner ist und alles Wissen hat, um ein Design zu erstellen und auch umzusetzen.

Ich denke allerdings, man bräuchte schon eine ganze Menge mehr Fachwissen und Erfahrung, in bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel Wassermanagement, Hydrologie, Garten- und Landschaftsbau und Boden, um verantwortungsvoll zu arbeiten. Da bin ich vielleicht sehr Deutsch. Aber nicht umsonst sind deutsche Ingenieure und Handwerker in der ganzen Welt geschätzt und gesucht. Die vergleichsweise höheren Ansprüche, die wir an unsere Ausbildungsberufe oft stellen, zahlen sich am Ende einfach in punkto Qualität auch aus.

Ich würde mich nach einem PDC zum Beispiel definitiv nicht wirklich trauen Dämme zu bauen. Das könnte echt in die Hosen gehen…

Letztendlich ist der PDC sicherlich nur als Basis für weitere Studien gedacht. So wird es bei den europäischen Anbietern in der Regel jedenfalls dargestellt.

Dafür ist der Online PDC aber eigentlich fast schon zu umfangreich und geht meines Erachtens eben an den falschen Stellen viel zu sehr ins Detail.

In Präsenz wird er traditionell als sogenannter 72-Stunden Kurs, in 12-14 Tagen am Stück unterrichtet, inklusive Abschlussarbeit – ein ziemlicher Wahnsinn, sage ich nach dieser Onlineerfahrung. Wie soll man das alles in dieser kurzen Zeit verdauen? Und dann auch noch in einer Abschlußarbeit umsetzen? Schwer vorstellbar für mich, selbst wenn in diesem Fall sicher einig Themen wesentlich kürzer abgehandelt werden, als im Online-Kurs. Wir hatten immerhin 8 Monate Zeit, wovon 4 Monate wöchentliche Lerninhalte bereitstellten und weitere 4 Monate für die Aufarbeitung und die Abschlussarbeit zur Verfügung standen. Das ist absolut machbar!

In den meisten Ländern kann sich an den PDC eine zwei- bis dreijährige Weiterbildung zum Permakulturdesigner anschließen. In Deutschland bedeutet das in der Regel einen selbstorganisierten Ausbildungsweg unter der Obhut von Tutoren – also mehr oder weniger Selbststudium nach eigenem Gusto. Die Idee mit den Tutoren – vom Grundsatz her gut, in der Praxis zeitlich nicht wirklich ausreichend, wie ich schon gehört habe.

Permakulturausbildung könnte man besser machen

Noch immer ist der PDC der mehr oder weniger einzig gültige Einstieg in das Thema Permakultur, wenn man mehr möchte, als einen kleinen Schnupperkurs oder sogar ein Diplom erwerben möchte. Ich weiß allerdings nicht, ob das so wirklich immer noch sinnvoll ist.

Das bedürfte, meiner Meinung nach, einer Überarbeitung und Neuausrichtung, um das Thema und den Beruf attraktiver zu machen. Eine effektivere und bessere Ausbildung, welche die Themen beeinhaltet, die man wirklich braucht und diese je nach Klimazone separat auch vertieft, würde vielleicht auch mehr Menschen ansprechen. Dazu müsste man sich vielleicht ein wenig von überkommenen Strukturen und unantastbaren Heiligtümern lösen.

Bei mir wäre es definitiv so gewesen, dass ich mindestens 10 Jahre früher in die Thematik eingestiegen wäre, hätte es eine Ausbildung gegeben, die mich mehr angesprochen hätte, als das momentane Modell. Die Bedenken, die mich intuitiv vor 10 Jahren abgehalten haben den PDC zu machen, haben sich tatsächlich bestätigt.

Mich wundert also nicht weiter, dass nach ca. 45 Jahren, die Permakultur zwar in vielen Einzelaspekten inzwischen inmitten der Gesellschaft angekommen ist und diese auch als wichtig und wertvoll wahrgenommen werden, sie sich aber nicht wirklich als System durchsetzen konnte und auch Permakulturdesigner, bis auf wenige erfolgreich Ausnahmen kein Beruf ist, der große Perspektiven bietet. Den meisten bietet er bisher keine Existenzgrundlage.

Abgesehen von meinen grundlegenden Kritikpunkten, ist der Kurs inhaltlich, technisch und organisatorisch wirklich gut und professionell gemacht. Für jemanden, der begleitet ein ausführliches Studium von Mollisons Buch absolvieren und von Geoff Lawtons großer Erfahrung und einer tollen, internationalen Community profitieren möchte, perfekt.

Hier nochmal meine Pros und Cons im Überblick:

Pros:

  • Zeit: 8 Monate um das Curriculum durchzuarbeiten und die Abschlußarbeit fertigzustellen. Das ist absolut machbar.
  • Man schaut die Videos im eigenen Tempo, wann man Zeit hat und so oft man will.
  • Der Inhalt jedes Videos wird nochmal schriftlich zusammengefasst.
  • Ein wirklich tolles Team von Teaching Assistants. Unvergleichlich engagiert und kompetent,  jederzeit bereit, jede! Frage nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten und dafür wenn nötig noch selbst zu recherchieren. Hut ab, das ist kaum zu toppen! Kein Präsenzkurs mit 20 oder mehrTeilnehmern kann das in der Form bieten. Einziger Nachteil (oder auch nicht ????) man kann nicht einach drauflosquatschen, sondern muss schreiben – und das auf Englisch!
  • In der Regel eine hervorragende und professionelle Organisation des Ablaufs und der Inhalte
  • Eine spannende internationale Community mit der man über verschiedene Kanäle in Konakt sein kann
  • Durch die Abschlußarbeit (FDE – Final Design Exercise) wird man Schritt für Schritt, Thema für Thema geführt. Zienlich narrensicher, wenn man sich wirklich ein wenig mit den Inhalten des Kurses befasst hat.
  • Diese Struktur sich durch eine Design zu arbeiten, kann man auf alle weiteren Projekte anwenden.
  • Am Ende des Kurses werden 8 Grundstücksvorlagen zur Verfügung gestellt. Diese sind echte Projekte von echten Menschen. Alle wichtigen Informationen, die man für die Designarbeit braucht, sind bereits zusammengetragen und man kann direkt mit seinem Design loslegen. Einfacher und besser kann man es praktisch nicht bekommen. Das ist wirklich ein Premium Feature.
  • Und last but not least die Q&A’s mit Geoff himself. Für mich fast das Interessanteste am ganzen Kurs. Jede Woche kommt ein Video, in dem Geoff ausgewählte Fragen aus den Foren selbst beantwortet. Hier spricht große Kenntnis und Erfahrung zu ganz konkreten Situationen und Problemen. Dann fängt man an wirklich zu verstehen, worum es geht…
    Auch die Q&A’s aus den beiden vorangegangenen Kursen (bei uns 2019, 2021) werden im Laufe der Zeit freigeschaltet und sind dann als mp3 downloadbar. Ein riesiger Wissenschatz, der einem hier zusätzlich zur Verfügung gestellt wird.

Cons:

  • Jedes einzelne Kapitel im Buch wird in einem oder mehreren Videos ausführlich behandelt. Das führt bei manchen Themen zu manchmal schwer erträglichen Längen – vor allem als Mitteleropäer im kühl-feuchten Klima, der/die nicht unbedingt international arbeiten möchte. Oft erschöpft sich das in einer Unmenge an Details, die aber wiederum nicht so tief gehen, als dass man das dann wirklich verantwortungsvoll praktisch umsetzen könnte.
  • Wichtige Themen und Wissen, das auch in der Abschlußarbeit zum Tragen kommt und gefordert wird, kommt praktisch im Kurs nicht vor (Gartenbau, Pflanzenwissen)
  • Wer ein international anerkanntes Diplom in Permakulturdesign anstrebt, kommt wahrscheinlich mit einem konventionellen, 72-Stunden Präsenzkurs und dem entsprechenden Aufbaustudium billiger und effektiver zum Ziel.

Fazit

Am Ende hat es sich für mich trotzdem auf jeden Fall gelohnt. Es hat (meistens :-)) Spaß gemacht und meinen Horizont erweitert. Die Fragen und Antworten im Forum von Mitstudierenden aus aller Welt und den wunderbaren Teaching Assistants waren ein Highlight. Man durfte und konnte alles! fragen und hat immer sehr schnell eine echte! Antwort bekommen, mit der sich jemand richtig Mühe gegeben hat. Auch die Q&As mit Geoff waren einfach absolut super!

Ein Diplom hatte ich nie angestrebt. Auch wenn mir nicht jedes Detail des Kurses gefallen hat, habe ich viel gelernt. Ich weiß jetzt was Permakultur jenseits von Mulch und Hochbeet wirklich ist und bin vor allem eingetaucht in eine Welt und eine Gemeinschaft von Menschen, denen das Wohl des Planeten, der Natur und der Menschheit so am Herzen liegt wie mir. Die die Probleme nicht nur sehen, sonden jeder an seinem Ort tätig werden, ihren Lebensstil entsprechend anpassen und beginnen so zu wirtschaften, dass nicht noch mehr zerstört oder bereits Zerstörtes wieder aufgebaut wird. Das gibt Hoffung und tut unendlich gut. Permakulturelles Denken und Handeln wird mehr denn je gebraucht und kann uns zeigen, wie wir in Fülle und Zufriedenheit im Einklang mit der Natur leben könen ohne permanent an dem  Ast zu sägen auf dem wir sitzen.

Ich sehe Dinge und Zusammenhänge, die ich zuvor nicht gesehen habe, ich habe Techniken und Möglichkeiten gezeigt bekommen, die ich zuvor nicht kannte. Ich habe Handwerkszeug um mein Grundstück nachhaltig zu gestalten und auch einiges davon an Interessierte weiterzugeben. Ich habe unendlich viele Impulse und Ressourcen für weitere Recherchen und Forschungen bekommen.

Alternativen online

Erst nach Abschluß meines Kurses bei Discover Permaculture, habe ich eine interessante Alternative entdeckt, die von der Oregon State University angeboten wird. Die Inhalte sind wirklich toll und professionell in Videos aufgearbeitet, die man auch kostenlos auf youtube findet. Über die Begleitung und Community kann ich nichts sagen. Der Zertifikatskurs, mit Begleitung hin zur Abschlußarbeit, ist dann kostenpflichtig, aber wesentlich günstiger als bei Discover Permaculture.

https://workspace.oregonstate.edu/course/permaculture-design-certificate-online

Alternativen offline im deutschsprachigen Raum

In Deutschland bündelt das Permakulturinstitut die meisten Angebote zur Permakultur

https://www.permakultur.de

In Österreich gibt es die  P.I.A.  – Permakulturakademie im Alpenraum

https://www.permakultur-akademie.com/

und natürlich der Krameterhof mit der Permakultur nach Sepp Holzer. Das ist echte europäische Permakultur für unsere Breiten und für unser Klima!

https://krameterhof.at

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