Eine Tinktur aus Heilpflanzen selbst herstellen

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Tinkturen selbst herstellen, die einfachste Sache der Welt? Wenn man weiß wie, ja.

Recherchiert man in Büchern oder im Internet, findet man eigentlich immer das Gleiche: Besorge dir einen hochprozentigen Schnaps aus dem Supermarkt, gebe die kleingeschnittenen Pflanzen hinein und lasse das Ganze 3 Wochen stehen.

Prinzipiell stimmt das schon, aber je nachdem um welche Inhaltsstoffe es geht, kann das auch insofern danebengehen, dass die Tinktur nicht die gewünschte Wirkung hat, weil gar keine, oder zuwenig Inhaltsstoffe gelöst werden.

Wie ich halt so gestrickt bin, wollte ich es genauer wissen – und bin auch fündig geworden.

Was ist eine Tinktur?

In der Phytotherapie gibt es verschiedene Möglichkeiten Heilpflanzen für die Anwendung aufzubereiten und ihre Wirkstoffe für den Körper verfügbar zu machen. Um Inhaltsstoffe aus den Pflanzenteilen herauszulösen, können je nach Anwendung und Art der Inhaltsstoffe Wasser, Alkohol oder Fette(Öle) verwendet werden. Im klassischen Tee oder Infus lösen wir die Inhaltsstoffe zum Beispiel mit heißem Wasser.

In einer Tinktur werden die Inhaltsstoffe durch ein Wasser-Alkohol-Gemisch aus den Pflanzen gelöst. Die Tinktur hat den Vorteil, dass hier die Inhaltsstoffe hoch konzentriert sind und durch den Alkohl außerdem einige Zeit haltbar gemacht werden können.

Nun gibt es aber Inhaltsstoffe, die sich besser in Wasser, beziehungsweise besser mit Alkohol lösen lassen. Kauft man also einen Korn im Supermarkt, hat dieser ca. 38-42% Alkohl- und entprechend 62-58% Wasseranteil.  Das löst viele Stoffe gut, aber eben nicht alle.

Ich ziehe es deshalb vor, mir mein Alkohol-Wasser-Gemisch je nach Bedarf selbt zu mixen. Wie das genau funktioniert, beschreibe ich später noch.

Die Löslichkeit von Wirkstoffen

Bevor man eine Tinktur ansetzt, sollte man sich klarmachen, welche Inhaltsstoffe für die erwünschte Wirkung wichtig sind und sich dann das passende Mischungsverhältnis herstellen. Wie man hier sieht, deckt der handelsübliche Korn eventuell die Lösung von Schleimen, Zucker, Saponinen, Salicylsäure, Gerbstoffen, Ätherischen Ölen und Harzen nicht, oder nicht optimal ab.

Schleime/Zucker 0 – 30%
Rosenblüten 25%
Saponine/Salicylsäure 0 – 40%
Glykoside 0 – 45%
Bitterstoffe/Alkaloide 0 – 50%
Scharfstoffe/ Cumarine 35 – 50%
Flavonoide 40 – 55%
Gerbstoffe 40 – 60%
Ätherische Öle 50 – 70%
Harze 96%

Wie stellt man das richtige Mischungsverhältnis her?

MischungDazu braucht man reines, unvergälltes Ethanol und destilliertes Wasser. Reines Ethanol hat in der Regel 96% Alkohol.

Möchte man daraus nun zum Beispiel 60%-igen Alkohl machen, mischt man 60 Teile Alkohol mit 36 Teilen (96-60) destilliertem Wasser.

Hat man als Ausgangsstoff ein Ethanol mit einem anderen Prozentsatz, ersetzt man einfach die die 96 mit dem anderen Wert, dann funktioniert es auch wieder.

Das weitere Vorgehen

Hat man die richtige Mischung hersgestellt gibt man die zerkleinerten Pflanzenteile in verschließbares Glasgefäß und füllt mit dem Alkohl-Wasser-Gemisch auf, bis alles gut bedeckt ist. An einem warmen, Platz 2-3 Wochen reifen lassen. Rudi Beiser von der Freiburger Heilpflanzenschule empfiehlt sogar nur maximal eine Woche, da er meint, dass dann bereits alle Inhaltsstoffe ausgezogen sind und bereits wieder Abbauprozesse einsetzen. Ich kann es nicht wirklich beurteilen, was stimmt und mache es einfach intuitiv. Wenn ich das Gefühl habe, es ist fertig, filtriere ich die Pflanzenteile ab und fülle die Tinktur in dunkle Glasflaschen. Die meisten Pflanzeninhaltsstoffe reagieren sensibel auf UV-Licht, deshalb sollte man die Tinktur zum Reifen zwar warm, aber niemals in die Sonne stellen. Auch zur Aufbewahrung empfiehlt sich ein eher dunkler, kühler Ort.

Quellen: Christian Sollmann, Pflanzliche Urtinkturen und homöopathische Heilmittel selbst herstellen, AT-Verlag