Die Zitronenmelisse – Melissentinktur selbst herstellen

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Die Melisse ist eine meiner Lieblingspflanzen.Ob bei Blähungen und Bauchschmerzen oder bei Herpes, habe ich mit ihr nur durchschlagend gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn ich mir gerade viele Sorgen mache und sich die Gedanken in meinem Kopf drehen, hat sie mir schon geholfen. Die beiden Pflänzchen, die ich letztes Frühjahr gesetzt habe und die erst nicht so richtig wollten, haben sich jetzt eingelebt und zu wunderschönen, üppigen Büschen entwickelt. Jedesmal, wenn ich durch meinen Garten gehe, freue ich mich darüber.

Sobald das Wetter besser wird und zwei Sonnentage darüber gegangen sind, wird es dann auch Zeit zu ernten, denn ab Anfang Juni beginnt sie bereits zu blühen und die Menge der Inhaltsstoffe sinkt dramatisch ab.

Melisse ist, sofern man einen Garten hat, einfach anzubauen. Sie braucht viel Sonne, aber einen feuchten Wurzelbereich – in einem guten Gartenboden in der Regel kein Problem. Als Topfpflanze funktioniert es deslhalb aber oft nicht so gut. In meinem Balkongarten bin ich mit der Melisse früher verzweifelt, sie wollte einfach nicht gedeihen, bis mir eben eine Kräutergärtnerin verraten hat, dass die Melisse einfach einen Gartenboden braucht.

Auch die Produkte sind einfach herzustellen. Man kann die Blätter als Tee trocken. Hier sollte man darauf achten, dass sie Blätter als Ganzes getrocknet werden, damit möglichst viele Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Oder man macht eine Tinktur, wie unten beschrieben. Tee oder Melissengeist aus der Apotheke kann man getrost vergessen – wer einmal den Unterschied gerochen hat, weiß was ich meine, da ist fast nichts Brauchbares mehr drin.

Melisse wirkt beruhigend, entspannend und angstlösend. Sie hilft beim Einschlafen, bei nervösen Störungen von Magen, Darm und Herzbeschwerden. Für diese Wirkung sind vor allem die leicht flüchtigen ätherischen Öle verantwortlich. Die ebenfalls enthaltenen Gerbstoffe und Rosmarinsäure entfalten allerdings noch eine andere höchst interessante Wirkung, die ich bereits in einem anderen Artikel beschrieben habe: Melisse hat sich als äußerst wirksam bei Herpes simplex erwiesen. Diese antiviralen Eigenschaften wurden erst Ende der 70er Jahre entdeckt und sind den chemischen Medikamenten ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Mehr dazu könnt ihr hier erfahren: http://www.wildundfrei.net/melisse-bei-herpes-simplex/.

Da ich das mehrfach schon mit Erfolg getestet habe, wollte ich nun die Tinktur auch selbst herstellen.

Die Ernte – Der richtige Zeitpunkt

Übers Jahr bleibt der Wirkstoffgehalt von Heilpflanzen nicht gleich, sondern verändert sich ständig. Manche Pflanzen entfalten ihre Heilkräfte vor der Blüte, manche während der Blüte oder auch erst bei der Samenreife. Die Zitronenmelisse entfaltet ihren Duft und höchsten Wirkstoffgehalt vor der Blüte. Mit der Blüte gehen Duft und Heilkraft fast vollständig verloren.

Auch die Tageszeit und das Wetter spielen unter Umständen eine Rolle. Der Gehalt an ätherischen Ölen ist zum Beispiel um die Mittagszeit am höchsten. Allerdings verdunsten diese auch schnell bei starker Sonneneinstrahlung. Das heißt man erntet am besten bei bedecktem Wetter um die Mittagszeit, bzw. bei Sonnenschein am späten Vormittag. Andere Zeiten gelten für Wurzeln und Bitterstoffe.

Der Gehalt Gerbstoffe scheint weniger tageszeitlichen Schwankungen zu unterliegen. Da es uns bei der Melissentinktur nun vor allem auf die Gerbstoffe ankommt, ist also die Tageszeit nicht so wichtig. Ich habe allerdings trotzdem bei bedecktem Wetter am späten Vormittag geerntet, denn ein hoher Gehalt an ätherischen Öle schadet sicher auch nicht…

Das Lösungsmittel – der richtige Alkoholgehalt

Bei Tinkturen werden die Inhaltsstoffe der Pflanze mithilfe von Alkohol herausgelöst und in das flüssige Medium überführt. Oft wird pauschal 30-40% Alkohol wie zum Beispiel Kornbrand empfohlen. Allerdings reicht das nicht immer, bzw. ist nicht optimal. Je nach Inhaltsstoffen braucht es unterschiedliche Alkohl/Wassergemische. Schleimstoffe oder Saponine brauchen eher niedrige Alkoholkonzentrationen, während Gerbstoffe, ätherische Öle oder Harze viel höhere Konzentrationen benötigen.

Für unsere Gerbstoffe aus der Zitronenmelisse brauchen wir zum Beispiel 40-60%igen Alkohol. Der meiste Korn aus dem Supermarkt schafft das nicht…

Ich habe mir 96%iges Ethanol besorgt. Das muss unvergällt sein. Bei so hohen Alkoholkonzentrationen werden manchmal bittere Geschmacksstoffe zugesetzt, um Vergiftungen zu verhindern. Dieses Ethanol kann man dann mit destilliertem Wasser auf die gewünschte Konzentration verdünnen.

Die Tinktur ansetzen

Die möglichst frisch geernteten Blätter fein schneiden und eventuell mit einem Mörser verreiben um die Inhaltsstoffe aufzuschließen. Damit die leicht flüchtigen ätherischen Öle gleich gebunden werden, kann man bereits beim Mörsern etwas Alkohol zugeben. In ein sauberes Schraubglas geben und mit dem Alkohol-Wasser-Gemisch übergießen. Das Ganze 1-3 Wochen stehen lassen – fertig. Die Zeit richtet sich danach, wie fein man gemörsert, oder ob man nur geschnitten hat. Je mehr die Pflanze aufgeschlossen ist, desto kürzer muss man die Tinktur ziehen lassen. Dabei sollte sich an einem warmen Ort, aber nicht in der Sonne stehen. Am Besten man nimmt ein dunkles Glas.

Quellen:

Christian Sollmann: Pflanzliche Urtinkturen und homöopathische Heilmittel selbst herstellen, AT Verlag

Rudi Beiser: Mein Heilpflanzengarten, Gesunde Kräuter pflanzen, ernten und anwenden, Ulmer Verlag